Das Schulhaus steht, der Unterricht beginnt

Schon neigt sich das Jahr dem Ende entgegen, die Tage werden kürzer (bei uns zwar länger dafür regnerischer) und man überlegt sich wieder was man denn eigentlich das ganze Jahr lang gemacht hat. Auch ich hätte gerne mehr über uns erzählt aber die Zeit war einfach sehr knapp und die Schule hat uns von einem Tag auf den anderen sehr in Beschlag genommen und unseren Alltag ordentlich auf den Kopf gestellt. Im August 2013 ging es richtig los mit der Bauphase: die Metallstrukturen wurden zusammengeschweisst, das Material bestellt, die Handwerker gesucht etc etc. Ein guter Freund von mir konnte in Lima alle Materialen für die Wände und Böden kaufen und nach Oxapampa schicken. Insgesamt transportierten wir so ungefähr 15 Tonnen Material für 6 Schulhäuschen nach Oxapampa. Einzig die Holzleisten kaufte ich in einem lokalen Sägewerk. Dann gab es auch allerhand kleinere und grössere Schwierigkeiten zu lösen: Eines der grösseren war, dass das Gelände am Stadtrand liegt und der nächste öffentliche Strommast 150 m entfernt ist, das ist zwar nicht weit aber doch kostspielig wenn man ein so viele Meter Kabel kaufen muss. Die Überraschung war gross als der Metallbauer mit seinem Schweissgerät anfangen wollte und merkte, dass der Spannungsabfall so gross war, dass er nicht mehr richtig schweissen konnte. Also musste ein zweites Kabel her, um den Widerstand zu reduzieren. So konnte man immerhin leichtere Dinge vor Ort schweissen, aber für alle Stützen mussten wir einen leistungsfähigen Generator mieten. Trotz aller Herausforderungen muss ich aber sagen, dass sich diese Fertigbauweise gut bewährt hat, jetzt nach bald einem Jahr intensiver Nutzung gab es nur kleinere Reparaturen vorzunehmen.

Viele Arbeiten erledigte mein Schwiegervater, der mich mehr als 3 Monate unterstützte und vor allem die Arbeiter im Auge behielt. Einige schwierige Aufgaben, wie die Herstellung der Geländer vor den Balkonen oder alle Sanitärinstallationen erledigte ich selber, das half die Kosten zu reduzieren und ich konnte die Qualität gewährleisten. In meinem eigenen Haus habe ich so schlechte Erfahrungen gemacht mit den Sanitärinstallateuren, dass ich es vorzog im Schulhaus selber zu machen.

Das Schulhaus selber war schon eine grosse Herausforderung, aber was wäre ein Schulhaus ohne Lehrer und vor allem ohne Schüler? Alles war sehr riskant, denn unsere Schule hatte noch nicht einmal eine offizielle Bewilligung als Privatschule. Gott sei Dank mussten wir nie nach Lehrern suchen, denn diese standen jeweils einfach vor der Türe. So geschehen mit Francesca und Benjamin aus Italien bzw. Belgien. Sie arbeiteten in einem anderen Projekt im peruanischen Tiefland und hatten Lust auf Veränderung. Sie kamen beide aus einem Umfeld von Waldorfschulen und ihnen gefiel unsere praktische und künstlerische Ausrichtung.

Am 20. Januar dieses Jahres begann bereits ein Ferienprogramm im neuen Schulhaus, da mussten wenigstens die Hälfte der Klassenzimmer fertig sein. Am Abend bevor das Programm begann hatten wir gerade 1 einziges Kind angemeldet aber am nächsten Tag füllte sich die Schule zuerst mit 20 und ein paar Tage später mit fast 30 Kindern. Während das Lehrerteam sich um das Ferienprogramm kümmerte gab es immer noch 100 Details zu regeln, bauliche, personelle und organisatorische. Herna die Direktorin der Schule erwies und erweist sich bis heute als Organisationstalent mit grosser Überzeugungskraft. Als das Ferienprogramm langsam zu Ende ging musste ich wieder meine Rolle wechseln. Vom Bauherren und Handwerker zum Lehrer, nach all den Jahren ausserhalb des Berufs kein leichter Wechsel. Aber Zeit zum Ausruhen gab es nicht und zum Überlegen erst recht nicht. Denn die Anmeldungen kamen allmählich und bald zählten wir 50 Schülerinnen und Schüler für das neue Schuljahr.

Am 10. März ging es los: Ich stand vor meinen 4. und 5. Klässlern, es waren zwar nur 7 (später 8) diese hatten es aber mehr als in sich: Kamen sie doch aus verschiedenen anderen Schulen. Das Klima war am Anfang rau, bis sich meine Schüler an die neuen Strukturen gewöhnten. Vieles kam mir am Anfang buchstäblich spanisch vor, bis ich mich an die neuen Verhältnisse gewöhnt hatte. Material hatten wir praktisch keines, weil wir die vorfabrizierten und fantasielosen Lektionen aus den Büchern der grossen Lehrmittelverlage vermeiden wollten. Also kämpften wir Lehrer uns in echter Knochenarbeit von Lektion zu Lektion. Eine grosse Hilfe ist natürlich das Internet, wo es viele Ideen gibt.