Ein Jahr in Lima

Viele haben mich gefragt was inzwischen aus uns geworden ist und wie es uns in einer so grossen Metropole so ergeht. Die Gründe warum wir plötzlich in der Hauptstadt gelandet sind habe ich in unserem letzten Blog beschrieben. Obwohl Oxapampa nur 400 km von Lima entfernt liegt, ist Lima doch eine ganz andere Welt. Die Landung in Lima war turbulent, aber eine Bruchlandung konnten wir zum Glück abwenden.

Wir sind so froh, dass wir eine Dachwohnung gefunden haben. So haben wir trotz allem das Gefühl auch ein wenig draussen zu sein.
Mit Kollegen der Schule fahren wir oft mit dem Mountainbike auf den „Morro Solar“ ein Hügel im Süden von Lima.

Krankheiten

Was uns am meisten beschäftigte war ein ununterbrochener Strom von Krankheiten. Es waren so viele, dass ich sie gar nicht mehr beschreiben kann, sondern sie nur noch tabellarisch aufführe.

Monat Betroffene Symptome Diagnose
Dezember Lucia Zahnschmerzen Abszess, Zahn musste schliesslich gezogen werden
Dezember Veronika Fieber, Halsschmerzen Grippe
Januar Aufstossen und Probleme beim Essen Speiseröhrenentzündung und Gastritis (Magenentzündung)
Januar Pablo (mein Schwiegervater) Erhöhter Blutdruck, rote Augen. Hämoglobinwert von bis zu 19 Herzprobleme
Februar Michael Geschwollener Fuss und starke Schmerzen Zellulitis (Entzündung der unteren Hautschichten)
März Michael Schmerzen im linken Bein und im Ischiasnerv 2 Diskushernien in den Lendenwirbeln
April – Mai Mayneé Verschiedene Beschwerden unter anderem Unterleibsschmerzen unregelmässige Periode, Müdigkeit, nervlich angeschlagen. Schildrüsenüberfunktion
Juni Luana Fieber, Halsschmerzen Grippe
August Lucia Erbrechen, Bauchschmerzen, Blasenprobleme Infektion mit Rotovirus
August Mimi (meine Schwägerin) Bauchschmerzen Blinddarm

Im Juli machten zum Glück auch die Krankheit etwas Ferien und wir nutzten die Zeit um mit meinem Vater in Florida zehn wunderbare Tage zu verbringen, aber dazu später mehr.

Schule

Die grösste Umstellung in unserem täglichen Ablauf war natürlich die Schule. Vor allem für Luana die in der 5. Klasse inklusive obligatorischem Sport 42 (!) Lektionen Schule hat. Dazu gibt es noch jede Menge Hausaufgaben. Lucia hat in der 1. Klasse weniger Lektionen aber auch bereits einige Nachmittage mit Unterricht. Für mich mit 29 Lektionen ist die Belastung etwas weniger gross. Auch das Knüpfen neuer Freundschaften war für Lucia und Luana schwierig. Die meisten Kinder gingen schon gemeinsam in den Kindergarten und kennen sich schon jahrelang. Auch die Flut von schulischem Stoff, der auf Luana zukam, war enorm. Von vielen Inhalten hatte sie noch keine Ahnung und es ging ihr ziemlich auf die Nerven, als man ihr noch einmal 2 Lektionen Nachhilfestunden im Spanisch aufbrummte. In diesem Fach konnte Luana aber eine unglaubliche Aufholjagd an den Tag legen. In einem halben Jahr konnte sie sich an die Spitze der Klasse vorarbeiten. Ihre Lehrerin und gleichzeitig meine direkte Vorgesetzte gratulierte Luana und mir persönlich. Ich wusste nicht recht ob sie sich daran gefreut hat oder eher besorgt war. Aber sie sagte mir nur: «Es kann ja nicht sein, dass all diese Schüler jahrelang bei uns in die Schule gehen und jetzt kommt jemand aus dem tiefsten Dschungel und gehört in einem Semester bereits zu den besten.» Auch im Dschungel kann man etwas lernen, dachte ich mir dann im Stillen.

Auch für Lucia war der Anfang nicht einfach. Sie war immer mit rund 10 Kindern zusammen und die Gruppe war für sie überschaubar. Jetzt teilt sie sich das Klassenzimmer mit 30 Kindern und in der Pause spielen rund 200 Kinder auf dem gleichen Spielplatz. Mit dieser Situation war sie anfangs ziemlich überfordert.

Für mich war die Umstellung erstaunlicherweise weniger gross. Obwohl ich jetzt doppelt so viele Lektionen unterrichtete wie vorher, ist das nicht stressiger als vorher in Oxapampa. In den meisten Fächern arbeitet man mit Büchern und der Vorbereitungsaufwand hält sich in Grenzen. Natürlich gibt es immer viel zum Korrigieren, dafür muss ich mich nicht mehr darum kümmern ob alle Eltern bezahlt haben und ob es für alle Löhne reicht.

Über die Ostertage verbrachten wir einige Tage in Ica, eine Stadt 300 km südlich von Lima.
Auf unserem Ausflug nach Paracas besuchten wir die Islas Ballestas und wurden nicht enttäuscht.
Lucia klettert problemlos eine 12 m hohe Wand hoch.

Ein Abstecher in den nördlichen Kontinent

In den Sommerferien (eigentlich Winterferien in Lima) haben wir uns mit meinem Vater in Florida getroffen. Wir haben eine grossartige Zeit miteinander verbracht: Von Miami, sind wir nach Orlando gefahren, dort haben wir uns verschiedene Themenparks angesehen. Allen voran natürlich das Disneyland, dann auch das Seaworld und das Disney Animal Kingdom. Am grossartigsten fanden alle das Animal Kingdom, ein gewaltiger Zoo gespickt mit Achterbahnen und Shows. Im Park gibt es Rekonstruktionen von allen grossen Klimazonen: Afrika, Asien, Südpol etc. Es war wirklich ein grosartiges Erlebnis. Nach all den Eindrücken waren wir ziemlich erschöpft und erholten uns in Fort Myers am Strand. Wir vergnügten uns im warmen Meerwasser, im Pool und beim Spielen. Viel zu schnell vergingen die 10 Tage und wir mussten uns wieder ins graue Lima stürzen. Mein Vater begleitete uns und verbrachte noch 10 weitere Tage mit uns in der Hauptstadt.

Wer in Orlando ist kommt nicht am Disneyworld vorbei.
Bei fast 40° brachte dieses Wasserspiel eine willkommene Erfrischung.
Die Piraten der Karibik lassen grüssen.
Die Amerikaner sind einfach Spezialisten alles so unglaublich echt zu rekonstruieren.
Eine grossartige Präsentation von diesem Orka.
Auge in Auge mit dieser Giraffe im Animal Kingdom von Orlando
Selbst diesem jungen Elefanten wurde es zu heiss.
Alle zusammen im Meer.
Die Kinder genossen den feinen Sand.

Ein wilder Waschbär begrüsst uns auf der Bootstour

Stadtleben

Lima ist eine laute chaotische und bisweilen auch gefährliche Stadt. Der öffentliche Verkehr funktioniert ganz anders als bei uns, private Busgesellschaften fahren mit kleinen Bussen wie die Verrückte durch die Stadt. Wenn man die grossen Strassen in der Stadt etwas kennt sind die Busse eine günstige Alternative um von A nach B zu kommen. Inzwischen gibt es aber auch immer mehr städtische Buslinien mit grossen Fahrzeugen, wo alles etwas geordneter abläuft. Eine Hochbahnlinie ist schon seit ein paar Jahren in Betrieb und eine neue Linie ist ebenfalls geplant. Für Einkäufe und längere Fahrten brauchen wir aber das Auto. In Lima zu fahren war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Muss man doch immer die kleinste Lücke sofort ausnützen, um irgendwo durchzufahren oder sich in eine Kolonne zwängen.

Mit Kollegen der Schule fahren wir oft mit dem Mountainbike auf den „Morro Solar“ ein Hügel im Süden von Lima.
Wenige Stunden von Lima, sieht die Welt ganz anders aus.
Ein Vorteil in Lima ist das vielfältige kulturelle Angebot. Wie hier dieser russische Zirkus.
Luana hat Freude am Geigenspielen bekommen.
Ein alltägliches Bild in Lima
Es gibt durchaus auch schöne Gegenden in Lima.
Dieser Park ist ganz in der Nähe von unserer Wohnung und eignet sich gut zum Fahrradfahren und Rollschuhlaufen.

Verkehr

Für Strecken von bis zu 5 Kilometern ist auch das Velo sehr geeignet. Ist das nicht Selbsmord in einer so viel befahrenen Stadt? Der erste Eindruck trügt: Die Behörden haben viel unternommen, um das Velo attraktiv zu machen, so gibt es breite Strassen mit grünem Mittelstreifen und Veloweg dazwischen. So kann man gut mit einem Lächeln im Gesicht am Stau vorbeifahren. Bei anderen Strassen gibt es breite Trottoirs mit wenig Leuten. Andere Strassen sind für Velofahrer tatsächlich tabu – es ist schlicht zu gefährlich. Auch Übergänge von einer Strasse zu anderen sind nicht zu unterschätzen, vor allem wenn man eine 4 spurige Piste überqueren muss. Da tut man gut daran etwas weiter zu fahren und einen Fussgängerstreifen mit Ampel zu suchen, auch wenn man da oft lange warten muss bis es endlich grün wird.

Sonst bewegen wir uns eigentlich sehr wenig in der Stadt. Die Schule ist 1 km von zu Hause entfernt und zu Fuss gut erreichbar. Leider ist es undenkbar, dass die Kinder alleine nach Hause gehen können. Auch für die Einkäufe müssen wir nicht weit gehen, wir haben gleich zwei komfortable Zentren in der Nähe. Überhaupt haben wir mit unserer Wohnung grosses Glück gehabt. Wir wohnen in einem sehr ruhigen Quartier und auch unsere Nachbarn machen keinen Lärm. So können wir mitten in der hektischen Stadt viel Ruhe geniessen.

Klima

Der Sommer in Lima ist heiß und feucht, die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, auf ein erfrischendes Gewitter hofft man vergeblich, in Lima regnet es im Sommer nicht. Die Übergangszeit ist am angenehmsten, da ist es nicht mehr so heiß und am Abend wird es wieder angenehm kühl. Am Abstand die schlimmste Jahreszeit ist der Winter. Dann ist der Himmel einheitlich grau, die Temperaturen fallen auf ca. 15° und es nieselt jeden Tag.

Besuch in der Schweiz

Die ersten Zeilen dieses Blogs habe ich schon im August geschrieben die letzten erst heute am 24. Dezember. So hektisch ist unser Leben inzwischen geworden. Am 29. Dezember fliegen wir wieder einmal in die Schweiz – nach 4 Jahren Pause. Wir sind schon ziemlich nervös wegen der langen Reise, aber zum Glück sind Luana un Lucia schon gross und sind sich schon einiges gewöhnt. Wir bleiben einen ganzen Monat und haben auch schon einiges geplant. Trotzdem freuen wir uns möglichst viele von euch zu sehen.

Trotz Hitze kommt mit diesem Gefährt etwas Weihnachtsstimmung auf.
Auch diese Schneemänner verbreiten etwas Kühle.